Franz Böhm

Franz Böhm (1895–1977) war Jurist. Seine rechtswissenschaftliche Promotion und Habilitation erfolgten an der Universität Freiburg. Die erste Professur trat er an der Universität Jena an, doch wurde ihm 1940 wegen seiner Kritik an der NS-Politik gegenüber den jüdischen Mitbürgern die Lehrbefugnis entzogen. Erst 1945 wurde er wieder auf eine Professur berufen, zunächst an der Universität Freiburg und 1946 an der Universität Frankfurt. Franz Böhm war stets bemüht, seine wissenschaftlichen Einsichten politisch wirksam werden zu lassen.

Franz Böhm bezeichnete den Wettbewerb als das „genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte“. Er betonte die Notwendigkeit, eine Ordnung des Leistungswettbewerbs gegen Gefährdungen durch private Macht und Kartelle zu verteidigen. Gleichermaßen müsse die marktwirtschaftliche Privatrechtsordnung als Ordnung von Rechtsgleichen davor geschützt werden, dass Interessengruppen über den politischen Prozess Privilegien zu erwirken suchen.

„Dass in die Ordnung einer Marktwirtschaft viel mehr Wissen von Tatsachen eingeht, als irgendein einzelner Mensch oder selbst irgendeine Organisation wissen kann, ist der entscheidende Grund, weshalb die Marktwirtschaft mehr leistet als irgendeine andere Wirtschaftsform.“

Franz Böhm in „Die Ordnung der Wirtschaft“ (1937)

So arbeitete er im Rahmen der Widerstandsbewegung um Carl-Friedrich Goerdeler einen Entwurf für ein Kartellgesetz aus. Nach dem Krieg gelang er rasch in einflussreiche Positionen, in denen es ihm möglich war, die neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mitzugestalten, um eine erneute Machtkonzentration zu verhindern. Seit 1948 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates, zunächst der Verwaltung für Wirtschaft und danach beim Bundeswirtschaftsministerium. Darüber hinaus war er in den Nachkriegsjahren hessischer Kultusminister und Verhandlungsleiter für die Aushandlung des Wiedergutmachungsabkommens mit Israel. Franz Böhm war maßgeblich an den Vorbereitungen des 1957 verabschiedeten Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen beteiligt, das sich auf ordoliberale Ideen bezieht und als Grundgesetz der deutschen Wirtschaft gilt. Zwischen 1953 und 1965 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.


 

Weiterführende Informationen: Der Ökonom Franz Böhm gilt als Vater des deutschen Kartellrechts, in: Die Wirtschaftswoche, Juni 2006.